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Natur & Umwelt

Pferdestark und unfallfrei – Leitfaden für Reiterinnen und Reiter

Für mehr Sicherheit, Freude und Vertrauen im Umgang mit Pferden

Bildquelle: AdobeStock

Reitunfälle sind ein Thema, das mich als passionierte Reiterin seit vielen Jahren begleitet. Ich habe selbst erlebt, wie schnell aus einem harmonischen Ausritt ein ernster Unfall werden kann – und wie wichtig es ist, sich mit den Risiken, der Prävention und den Folgen von Reitunfällen auseinanderzusetzen. In diesem Ratgeber möchte ich mein Wissen und meine Erfahrungen teilen, um Reiterinnen und Reitern – egal ob Anfänger oder Profi – wertvolle Tipps an die Hand zu geben. Dabei gehe ich auf die häufigsten Ursachen, Verletzungsmuster, die Rolle von Pferd und Reiter, die richtige Ausrüstung sowie auf Versicherung und Hilfe im Ernstfall ein.

Reitunfälle: Ursachen und Risiken

Als Reiterin weiß ich, dass Reitunfälle leider zum Alltag im Reitsport gehören. Laut Statistik passieren in Deutschland jedes Jahr mehrere tausend Reitunfälle, wobei Kinder besonders häufig betroffen sind. Der Reitsport gilt als risikoreich, weil Pferde Fluchttiere sind und in bestimmten Situationen unvorhersehbar reagieren. Das Risiko eines Unfalls steigt besonders bei mangelnder Erfahrung, unzureichender Ausrüstung oder schlechtem Wetter.
Häufige Ursachen für Reitunfälle:

  • Mangelnde Erfahrung: Viele Unfälle passieren, weil Reiter die Körpersprache des Pferdes nicht richtig deuten oder in kritischen Situationen falsch reagieren.
  • Ungeeignete Ausrüstung: Ein schlechtsitzender Sattel oder fehlender Helm erhöht das Risiko schwerer Verletzungen.
  • Unterschätzte Risiken im Gelände: Besonders im offenen Gelände oder bei Ausritten mit mehreren Pferden kann es zu gefährlichen Situationen kommen.
  • Wetterbedingungen: Glatte oder matschige Böden erhöhen die Sturzgefahr für Pferd und Reiter.
  • Mangelnde Fitness: Wer körperlich nicht fit ist, kann im Ernstfall nicht schnell genug reagieren oder sich bei einem Sturz abfangen.
    Die Verletzungsmuster bei Reitunfällen sind vielfältig. Häufig sind Kopf, Rücken und Extremitäten betroffen. Besonders schwerwiegend sind Schädel-Hirn-Traumata, die oft durch fehlenden Kopfschutz entstehen. Auch tödliche Stürze sind leider keine Seltenheit. Als Reiterin ist es mir wichtig, diese Risiken nicht zu unterschätzen und stets wachsam zu bleiben.

Pferd und Reiter: Verantwortung und Kommunikation

Die Beziehung zwischen Pferd und Reiter ist entscheidend für die Sicherheit beim Reiten. Ich habe gelernt, dass gegenseitiges Vertrauen und eine klare Kommunikation viele Reitunfälle verhindern können. Pferde sind sensible Tiere, die auf kleinste Veränderungen in der Stimmung oder Körpersprache ihres Reiters reagieren. Unsicherheit, Angst oder Hektik übertragen sich schnell auf das Pferd und erhöhen das Risiko eines Unfalls. Das Risiko für schwere Verletzungen steigt, wenn man sich unachtsam im Umgang mit dem Pferd bewegt – ein plötzlicher Pferdetritt kann selbst erfahrene Reitende überraschen.


Wichtige Aspekte der Kommunikation:

  • Körpersprache: Ein ruhiger, bestimmter Sitz und klare Hilfen geben dem Pferd Sicherheit.
  • Wissen über Pferdeverhalten: Wer weiß, wie Pferde auf bestimmte Reize reagieren, kann gefährliche Situationen frühzeitig erkennen und vermeiden.
  • Regelmäßiges Training: Sowohl Pferd als auch Reiter profitieren von kontinuierlicher Weiterbildung und Fitness. Das stärkt das Vertrauen und reduziert das Risiko von Reitunfällen.

Es ist super wichtig, das eigene Pferd genau zu kennen. Jedes Tier hat individuelle Stärken, Schwächen und Ängste. Wer sich die Zeit nimmt, sein Pferd zu verstehen, vermeidet viele Unfälle und gestaltet das gemeinsame Reiten sicherer.

Ausrüstung und Sicherheit: So lassen sich Reitunfälle vermeiden

Die richtige Ausrüstung ist ein zentraler Faktor, um Reitunfälle zu vermeiden oder deren Folgen abzumildern. Ich lege großen Wert auf geprüfte und passende Ausrüstung – nicht nur für mich, sondern auch für mein Pferd. Ein gutsitzender Helm ist für mich beim Reiten selbstverständlich, denn Kopfverletzungen gehören zu den häufigsten und schwersten Folgen eines Reitunfalls.


Wichtige Ausrüstungsgegenstände:

  • Reithelm: Schützt den Kopf bei Stürzen und kann Leben retten.
  • Sicherheitsweste: Besonders im Gelände oder beim Springen empfehlenswert, um den Rücken zu schützen.
  • Geeignete Reitstiefel: Verhindern das Hängenbleiben im Steigbügel bei einem Sturz.
  • Reflektierende Kleidung: Erhöht die Sichtbarkeit bei schlechtem Wetter oder Dämmerung.

Auch die Ausrüstung meines Pferdes überprüfe ich regelmäßig. Ein schlechtsitzender Sattel führt zu Schmerzen und Abwehrreaktionen, die wiederum das Unfallrisiko erhöhen. Ich kontrolliere vor jedem Ausritt Sattel, Zaumzeug und Hufeisen, um sicherzugehen, dass alles in einwandfreiem Zustand ist.

Weitere Tipps zur Unfallvermeidung:

  • Nie ohne Aufsicht reiten: Besonders Kinder sollten nie allein reiten.
  • Gelände und Wetter einschätzen: Bei unsicherem Wetter oder schwierigen Bodenverhältnissen lieber auf einen Ausritt verzichten.
  • Regelmäßige Fitnessübungen: Ein trainierter Körper hilft, Stürze besser abzufangen und Verletzungen zu vermeiden.
Checkliste

TOP Fitnessübungen für Reiter

Regelmäßiges Training außerhalb des Sattels hilft nicht nur, Reitunfälle zu vermeiden, sondern steigert Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden – für Reiter und Pferd gleichermaßen.

Core-Training (Rumpfstabilität)

Eine starke Körpermitte ist das A und O beim Reiten. Sie sorgt für einen stabilen Sitz und eine bessere Einwirkung auf das Pferd.

  • Plank (Unterarmstütz): 3 x 30 bis 60 Sekunden halten
  • Seitstütz: 3 x 30 Sekunden pro Seite
  • Russian Twists: 3 x 15 bis 20 Wiederholungen

Bein- und Gesäßmuskulatur

Starke Beine sind wichtig für einen sicheren Halt und eine feine Hilfengebung.

  • Kniebeugen (Squats): 3 x 15 Wiederholungen
  • Ausfallschritte (Lunges): 3 x 12 pro Bein
  • Wandsitzen: 3 x 30 bis 60 Sekunden

Balance- und Koordinationsübungen

Gute Balance hilft, Stürze zu vermeiden und das Pferd besser auszubalancieren.

  • Einbeinstand: 3 x 30 Sekunden pro Bein (ggf. mit geschlossenen Augen)
  • Balance-Pad-Übungen: z. B. Kniebeugen auf einem Balance-Kissen
  • Standwaage: 3 x 10 Wiederholungen pro Seite

Dehnung und Beweglichkeit

Flexibilität beugt Verletzungen vor und verbessert die Beweglichkeit im Sattel.

  • Hüftbeuger-Dehnung
  • Oberschenkel- und Waden-Dehnung
  • Rücken- und Schulterdehnung

Ausdauertraining

Eine gute Grundlagenausdauer hilft, längere Reiteinheiten konzentriert und sicher zu absolvieren.

  • Joggen, Radfahren oder Schwimmen: zwei bis drei Mal pro Woche, je 30 bis 45 Minuten

Spezielle Übungen für Reiter

  • Reiterkniebeuge: Kniebeuge mit leicht geöffneten Beinen, wie im Sattel
  • Beckenboden-Training: Unterstützt die Rumpfstabilität und hilft beim feinen Sitzen
  • „Reiten ohne Pferd“: Auf einem Gymnastikball Sitzhaltung und Balance üben

Mein Tipp aus der Praxis:
Regelmäßigkeit ist wichtiger als Intensität! Lieber täglich zehn bis 15 Minuten gezielt trainieren, als einmal pro Woche ein langes Workout. Und: Die Übungen sollten Spaß machen und zum eigenen Trainingsstand passen.

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Sicher im Sattel

Reiterunfallversicherung

Gerade weil das Risiko für Verletzungen beim Reiten hoch ist und gesetzliche Versicherungen oft nicht alle Folgen abdecken, ist eine spezielle Absicherung für Reiter besonders sinnvoll.

Was tun nach einem Reitunfall? Erste Hilfe und Behandlung

Trotz aller Vorsicht kann ein Reitunfall passieren. In solchen Situationen ist es wichtig, ruhig zu bleiben und schnell zu handeln. Die richtige Erste Hilfe kann Leben retten und die Folgen eines Unfalls minimieren.


Erste Hilfe nach einem Reitunfall:

  • Ruhe bewahren: Panik hilft weder dem Reiter noch dem Pferd.
  • Patienten nicht bewegen: Bei Verdacht auf schwere Verletzungen, insbesondere an Kopf, Rücken oder Wirbelsäule, sollte der Verletzte nicht bewegt werden.
  • Notruf absetzen: Bei schweren Verletzungen sofort den Rettungsdienst rufen.
  • Wunden versorgen: Blutende Wunden abdecken und, wenn möglich, steril verbinden.
  • Pferd sichern: Das Pferd sollte ruhiggestellt und von der Unfallstelle entfernt werden, um weitere Unfälle zu vermeiden.

Nach einem Reitunfall ist eine ärztliche Untersuchung wichtig, auch wenn die Verletzungen zunächst harmlos erscheinen. Viele Verletzungsmuster, wie Prellungen oder innere Blutungen, zeigen sich erst später. In schweren Fällen ist eine Behandlung im Krankenhaus notwendig. Besonders bei Kopfverletzungen oder Verdacht auf ein Trauma sollte kein Risiko eingegangen werden.

Gibt es eine Helmpflicht beim Reiten in Deutschland?

In Deutschland gibt es keine bundesweit einheitliche gesetzliche Helmpflicht für Reiter. Und dennoch ist das Tragen eines Reithelms aus Sicherheits- und Haftungsgründen immer zu empfehlen – für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen und egal ob im Gelände, auf dem Platz oder bei der Bodenarbeit. Viele schwere Reitunfälle könnten durch einen Helm verhindert oder zumindest abgemildert werden.

Versicherung, Prävention und langfristige Folgen von Reitunfällen

Ein Aspekt, der oft unterschätzt wird, ist die Absicherung durch eine Unfallversicherung. Ich habe mich frühzeitig informiert und eine spezielle Unfallversicherung für Reiter abgeschlossen, die bei schweren Verletzungen oder bleibenden Schäden greift. Viele Versicherungen bieten spezielle Tarife für den Reitsport an, die auch Unfälle mit dem eigenen oder fremden Pferd abdecken.


Wichtige Versicherungen für Reiter:

  • Unfallversicherung: Deckt die finanziellen Folgen eines Reitunfalls ab.
  • Tierhalter-Haftpflichtversicherung: Schützt vor Ansprüchen Dritter, wenn durch das eigene Pferd ein Unfall verursacht wird.
  • Krankenversicherung: Übernimmt die Kosten für Behandlung und Rehabilitation.

Die langfristigen Folgen eines Reitunfalls können das Leben nachhaltig beeinflussen. Neben körperlichen Verletzungen spielen auch psychische Aspekte eine große Rolle. Viele Patienten leiden nach einem schweren Unfall unter Angst oder Trauma und benötigen professionelle Hilfe, um wieder Vertrauen zum Pferd und zum Reiten zu gewinnen. Gezielte Therapie und ein behutsamer Wiedereinstieg in den Reitsport helfen, das Erlebte zu verarbeiten.


Prävention ist der beste Schutz:
Regelmäßige Weiterbildung, Austausch mit Experten und das Wissen um die Risiken helfen, Reitunfälle zu vermeiden. Ich empfehle allen Reiterinnen und Reitern, sich regelmäßig fortzubilden, an Erste-Hilfe-Kursen teilzunehmen und die eigene Ausrüstung sowie das Pferd regelmäßig zu überprüfen.

Stand: September 2025

Das Wort zum Schluss

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