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Finanzen

Mit Frugalismus früher in Rente? So funktioniert es

So sparen Frugalisten ein Vermögen an: Tipps zu früher finanzieller Unabhängigkeit und Freiheit im Leben.

Bildquelle: AdobeStock

„Mit 40 Jahren in Rente“ lautet ein Ziel vieler Frugalisten. Das zu erreichen, ist schwierig und hängt von mehreren Faktoren ab. WissensWert gibt Tipps zu Strategien und zum Sparen.

Frugalismus einfach erklärt: Ziele und Motivation

Frugalismus leitet sich her vom lateinischen „frugalis“, was so viel wie sparsam oder wirtschaftlich bedeutet. Frugalismus ist ein bewusster und meist minimalistischer Lebensstil, der darauf abzielt, finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Im Zentrum steht der Gedanke, Geld nicht wahllos auszugeben, sondern so viel wie möglich zu sparen und so einzusetzen, dass finanzielle Rücklagen gebildet werden, von denen man später leben kann. Eine Sparquote von mehr als 40 Prozent des Nettoeinkommens gilt vielen als „frugal“. Manche schaffen sogar 80 Prozent. Das hängt natürlich von der Höhe des Einkommens und dem finanziellen Aufwand für den eigenen Lebensstil ab. Fakt ist: Damit Frugalisten ihr persönliches Ziel erreichen, ist Disziplin, Konsequenz und eine passende Strategie nötig.

Die richtige Strategie für Frugalismus

Den optimalen Effekt hat Frugalismus, wenn er möglichst früh im Leben beginnt, sorgfältig geplant ist und eine hohe Sparquote möglich ist. Daher ist es wichtig, sich Gedanken um die individuell passende Strategie zu machen. Oft ist es eine Kombination aus hohem Einkommen, Minimalismus, bewusstem Verzicht, cleveren Investitionen und Steigerung des Einkommens. In jungen Jahren viel verdienen, um später kürzerzutreten? Generell wenig ausgeben? An einer Sache kommen Frugalisten nicht vorbei: Sparen und Kapital aufbauen. Das erfordert viel Disziplin und persönliche Einschränkungen. Viele Frugalisten legen konsequent einen sehr großen Teil ihres Einkommens, manche sogar mehr als 70 Prozent, für die Zukunft an. So werden sie schneller finanziell unabhängiger und bauen ein privates Vermögen auf, von dem sie später leben können – sozusagen als passives Einkommen. Dabei sollte der Sicherheitsaspekt bedacht werden. Um das zu erreichen, gibt es mehrere Möglichkeiten.

Checkliste

Schritt für Schritt finanziell unabhängiger

Persönliche Ziele definieren:

Warum möchte ich finanziell unabhängiger werden? Was möchte ich wann erreichen?

Finanzen analysieren:

Einnahmen und Ausgaben dokumentieren

Strategie entwickeln zum Sparen
Vermögen aufbauen
Sparpotenziale nutzen
Alltag frugal gestalten:

bewusster Verzicht, Limits setzen

Strategie regelmäßig checken und ggf. an Lebenssituation anpassen

Die wichtigsten Strategien für Frugalisten im Überblick:

  • Eine der wichtigsten Strategien besteht darin, konsequent zu sparen und eine möglichst hohe Sparquote zu erreichen.
  • Durch das Führen eines Haushaltsbuchs ermitteln Frugalisten ihren finanziellen Bedarf und behalten jede Einnahme und Ausgabe im Blick. So erkennen sie unnötige Ausgaben und optimieren ihre Kosten gezielt.
  • Fixkosten reduzieren: Sie überprüfen regelmäßig ihre Verträge, beispielsweise für Strom, Versicherungen oder Abonnements, und wechseln gegebenenfalls zu Anbietern mit dem höchsten Nutzen für ihre Lebenssituation.
  • Wer sich bewusst für einen minimalistischen Lebensstil entscheidet und auf überflüssigen Konsum verzichtet, kann zusätzliches Geld zur Seite legen bzw. anlegen und somit schneller ein finanzielles Polster bilden.
  • Viele Frugalisten investieren ihr Geld bevorzugt in ETFs und nutzen Sparpläne, um ein breit gestreutes Portfolio zu schaffen. Das Ziel dieser Investitionen liegt darin, über die Jahre hinweg passives Einkommen zu generieren, insbesondere durch Dividendenzahlungen. Das birgt allerdings auch Risiken.
  • Ein Baustein einer Vermögensstrategie kann das Investieren in eine private Rentenversicherung sein, die sich am Kapitalmarkt orientiert. Man wählt selbst das Verhältnis von Sicherheit und Renditeoptionen aus.
  • Auch Sachwerte wie Immobilien, Gold oder Rohstoffe werden zur Diversifikation des Vermögens und als Schutz vor Inflation oder Krisen ins Portfolio integriert.
  • Wer dann noch mietfrei wohnt, weil er im Wohneigentum lebt, hat einen enormen Kostenfaktor gespart. Daher macht es Sinn, gezielt auf die eigenen vier Wände hinzuarbeiten, z. B. mittels eines Bausparvertrags.
  • Zur weiteren Erhöhung des Einkommens setzen viele Frugalisten auf zusätzliche Einnahmequellen wie Nebenjobs bzw. selbstständige Tätigkeiten.

Wie viel Geld ist nötig, um finanziell unabhängig zu sein?

Das ist abhängig vom eigenen Lebensstil. Als Faustregel vieler Frugalisten gilt: Man sollte das 25-Fache bis 30-Fache seiner Jahresausgaben angespart haben, um für etwa 30 Jahre finanziell unabhängig zu sein. Diese FI-Zahl (FI = Financial Independence) bezeichnet den Geldbetrag, dessen passive Erträge die jährlichen Lebenshaltungskosten decken. Erreicht man diese Summe, ist man theoretisch finanziell unabhängig und könnte den bisherigen Lebensstil finanzieren, ohne arbeiten zu gehen. Gibt man also 2.700 Euro monatlich für seinen Lebensunterhalt aus, wären das mindestens 810.000 Euro – ein enormer Betrag.


Diese Rechnung bezieht sich auf die Trinity-Studie aus dem Jahr 1998, die eine Finanzierung von 30 Jahren vorausgesetzt hat. Demnach könnte man jährlich vier Prozent vom Kapital entnehmen, ohne dass es aufgebraucht würde. Das galt damals. Natürlich gibt es noch andere Faktoren zu bedenken: Inflation, Niedrigzinsphasen, Börsenkrisen, Steuern, steigende persönliche Ausgaben, längere Lebenszeit, früherer Ruhestand, gravierende Änderungen im Leben, unvorhersehbare Mehrkosten etc.


Hinzu kommen sich ändernde Lebensumstände und Vorlieben: Eine wachsende Familie kostet mehr Geld und auch Zeit. Das definitiv benötigte Vermögen lässt sich also nicht explizit bestimmen.

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Unser Tipp

Frugalismusziel „Vermögen aufbauen“

Auch wenn das Ziel der kompletten finanziellen Unabhängigkeit für Durchschnittsverdiener schwierig zu erreichen ist, kann man sich vom Frugalismus einiges abschauen: Strategien zum Aufbau von Kapital und Spartipps. Das fördert die individuelle Freiheit in späteren Lebensjahren und trägt zur Sicherung des Lebensstandards im Ruhestand bei.

Spartipps für den Alltag

Gerade am Anfang fällt es schwer, Prioritäten zu setzen. Deshalb helfen praktische Tipps zum Sparen, Frugalismus im Alltag zu etablieren. Grundsätzlich sollte man ein Haushaltsbuch führen, denn es bietet einen Überblick über alle Einnahmen und Ausgaben – das A und O beim Sparen. Apps helfen beim komfortablen Tracking. Außerdem: Jede Ausgabe hinterfragen: Brauche ich das wirklich? Liegt hier ein echter Mehrwert für mich? Einige Ansätze zum Sparen:

 

Haushalt & Wohnen

  • Energieversorgung günstig gestalten, soweit man sie beeinflussen kann.
  • Stromfresser identifizieren und abschalten bzw. ersetzen (z. B. Standby-Geräte, alte, nicht energieeffiziente Haushaltsgeräte, etwa Kühlschrank)
  • energiesparende LED-Lampen und Zeitschaltuhren nutzen
  • Wasser sparen durch Sparduschköpfe und kurze Duschzeiten
  • bewusstes Heizen und Lüften
  • Second-Hand-Möbel kaufen oder tauschen
     

Ernährung & Einkaufen

  • Wenn möglich, einige Kräuter, Obst- und Gemüsesorten selbst anbauen (Fensterbank, Balkon, Garten)
  • Großeinkäufe planen, Angebote nutzen und Einkaufsliste erstellen, um Spontankäufe zu vermeiden – und sich daran halten.
  • saisonal und regional einkaufen, Wochenmärkte nutzen
  • selbst kochen, Lebensmittelreste kreativ verwerten (z. B. Suppen, Aufläufe, Smoothies)
  • eigenes Brot backen, Aufstriche selbst herstellen
  • Leitungswasser statt Flaschenwasser
     

Mobilität & Reisen

  • öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad bevorzugen
  • Carsharing oder Fahrgemeinschaften bilden bzw. Mitfahrzentralen nutzen
  • Falls Reisen ein Thema ist: Frühbucherrabatte nutzen, vergleichen, selbst planen, Zelten oder Haustausch
  • Urlaub in der Nähe („Staycation“), Fahrrad-Urlaub oder Wanderurlaub
     

Freizeit & Unterhaltung

  • Bücher, DVDs, Spiele, Sportgeräte, Werkzeuge u. ä. ausleihen statt kaufen.
  • Streamingdienste mit Freunden oder Familie teilen (Abo-Sharing)
  • Kostenlose Veranstaltungen, Stadtführungen oder Museumsbesuche nutzen
  • Kleidung tauschen oder Second-Hand kaufen
  • DIY-Projekte und Reparaturen selbst machen (z. B. mit YouTube-Anleitungen). Vorsicht: Alles, was mit Elektronik oder Leitungen zu tun hat, sollten Fachleute machen!
     

Und dann noch grundsätzlich...

  • „30-Tage-Regel“: Vor größeren Anschaffungen 30 Tage warten, um Impulskäufe zu vermeiden
  • Gutscheine, Rabattcodes und Bonusprogramme nutzen
  • Unnötige Abos kündigen (Zeitschriften, Apps, Streaming)
  • Kleidung und Technik reparieren statt neu kaufen
  • Leihen statt kaufen – Gemeinschaftsnutzung: Werkzeuge, Geräte oder Bücher mit Nachbarn oder Freunden teilen. Manche kommunalen Einrichtungen, z. B. Bibliothek der Dinge, bieten die Ausleihe von Gebrauchsgegenständen und Geräten an.
  • Wer früh beginnt zu sparen, profitiert vom Zinseszinseffekt und erhöht die Chancen auf finanzielle Unabhängigkeit.

Herausforderungen und Vorteile von Frugalismus

Wer sich in jungen Jahren vorgenommen hat, möglichst viel zu arbeiten und zu verdienen sowie mit wenig Wohnraum auszukommen, um eine hohe Sparquote zu erreichen, ändert eventuell seine Meinung in der Familienphase. Zeit mit der Familie zu verbringen, wird manchen wichtiger als Überstunden und Nebenjobs, um Geld zur Seite zu legen, um früher in Rente zu gehen. Ein weiterer Punkt: Jahrelanger Verzicht lässt sich nicht immer durchhalten, besonders nicht mit Kindern. Ständiger Verzicht ist nicht jedermanns Sache: Manchmal möchte man sich etwas gönnen, das Geld kostet: Urlaub, Restaurantbesuche, Konzerte… Daher ist es sinnvoll, seine Maßstäbe und finanziellen Ziele an die jeweilige Lebenssituation anzupassen.
Andererseits kann es persönlich bereichernd sein, bewusst zu konsumieren und eigene Prioritäten unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen oder Konsumdruck zu setzen. Frugalismus führt oft zu achtsamerem Umgang mit Ressourcen und rückt immaterielle Werte wie Zeit, Beziehungen und Gesundheit in den Fokus. Das führt oft dazu, klarer zu erkennen, was persönlich wichtig ist. Mit weniger Geld auszukommen, steigert in vielen Fällen Kreativität, Durchhaltevermögen, Wertschätzung von kleinen Dingen und Zufriedenheit. So kann Frugalismus die Persönlichkeit stärken und die eigene Unabhängigkeit fördern. Und: Wer sein persönliches Ziel, z. B. früher in Rente zu gehen, tatsächlich erreicht, kann eher über seine freie Zeit verfügen und seine Träume verwirklichen.

Der Selbsttest: Bin ich ein Frugalismus-Typ?

Ist Frugalismus etwas für mich?
  1. Geld vs. Zeit
    a) Ich melde mich freiwillig für Überstunden und habe Nebenjobs, um mehr Geld zu verdienen.
    b) Ich wäge ab, ob zusätzliche Arbeitszeit für mich den Lohn wert ist.
    c) Lebenszeit ist wichtiger als ein Zusatzverdienst neben meinem Job.

  2. Shopping-Impulse
    a) "Sale" bedeutet: zuschlagen!
    b) Nur wenn ich das Teil wirklich brauche.
    c) Ich habe eine Einkaufsliste, alles andere bleibt im Regal.

  3. Auto, Bus oder Fahrrad?
    a) Eigenes Auto, gern ein neueres Modell
    b) Ich fahre überwiegend ÖPNV.
    c) Wo es geht, bin ich zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs – gratis Fitness inklusive. Wenn ich ein Auto brauche, leihe ich es.

  4. Urlaub
    a) Den gönne ich mir nicht nur einmal im Jahr: am liebsten Fernreisen oder All-inclusive-Resort – auf jeden Fall hochwertig.
    b) Ferienwohnung & selbst kochen ist eine gute Mischung für mich.
    c) Abenteuer schlägt Komfort. Die Unterkünfte sind für mich nicht wichtig. Notfalls bleibe ich in der Region und zelte.

  5. Minimalismus daheim
    a)
    Jedes Zimmer hat ein Deko-Highlight.
    b) Reduziert, aber ein paar Liebhaberstücke müssen sein.
    c) Was ich ein Jahr nicht benutze, sortiere ich aus.

  6. Social Pressure
    a) Freunde treffen in der Cocktail-Bar? Ich bin dabei – Geld spielt keine Rolle.
    b) Ich komme mit, bestelle aber schlau und nutze die Happy-Hour.
    c) Ich schlage stattdessen Spiele-Abend mit selbstgemachten Snacks vor.

  7. Technik-Updates
    a)
    Neues Smartphone, sobald ein neues rauskommt.
    b)
    Erst wenn der Akku stirbt, lege ich mir ein neues Handy zu.
    c)
    Ich lasse mein Smartphone reparieren oder kaufe ein aufbereitetes.

  8. Zukunfts-Plan
    a)
    Die Rente kommt irgendwann, passt schon.
    b)
    Ich spare, aber ohne konkretes Ziel und habe das Nötigste an Altersvorsorge.
    c) Ich kenne meine „FI-Nummer“ (Finanzielle-Unabhängigkeits-Summe) auf den Cent genau und arbeite daran, sie zu erreichen.

  9. Innerer Antrieb
    a)
    Ich möchte aktuell Komfort und Status genießen.
    b)
    Eine gute Balance zwischen angenehmem Leben jetzt und gesichertem Auskommen im Alter wäre nett.
    c)
    In einigen Jahren möchte ich frei und selbstbestimmt leben. Dafür verzichte ich heute gern auf Annehmlichkeiten.
Auswertung:

mehrheitliche Antworten a): Leben im Hier und Jetzt – Genuss ist angesagt. Frugalismus würde sich wahrscheinlich wie Dauer-Diät anfühlen. Vielleicht inspiriert aber schon ein kleiner Spar-Kick?


mehrheitliche Antworten b): 
Mit ein paar gezielten Stellschrauben (Budget-Plan, Spar- und Vorsorgeplan, Konsum-Detox) könnte Frugalismus-Light gelebt werden – mit Spaß.

mehrheitliche Antworten c): Geboren für den Frugalismus! Der Fokus liegt auf Kosten-Nutzen, Minimalismus und früherer finanzieller Unabhängigkeit. FIRE (Financial Independence, Retire Early = Finanzielle Unabhängigkeit, früher Ruhestand) ist in Sicht!

Stand: Dezember 2025

Das Wort zum Schluss

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